Sonntag, 18. Oktober 2015

Das doppelte Mäusezähnchen und der Ernst des Lebens

Nachdem das doppelte Mäusezähnchen gerade gesund und munter seinen 20. Lebensmonat vollendet hatte und weiterhin Tag für Tag fröhlich wie ein freigelassener Tornado durch Haus und Hof wütete, beschlossen die Eltern, die mittlerweile schütteres Haar und Sorgenfalten auf dem Haupt trugen,  dass es nun an der Zeit sei, etwas Ruhe und Ordnung, sowohl in die gemeinsame Behausung  als auch in die Seele der aufopfernden Zwillingsmutter, zu bringen.
Zu diesem Zweck informierten sie sich über eine bunte Vielzahl von außerhäuslichen Betreuungsmöglichkeiten für fleischgewordene Wirbelwinde mit Duracell Power und identischem Erbgut, sollte es ihnen doch an nichts fehlen, während die Mama sich selbst und ihre Umgebung zweimal die Woche ein wenig sortieren wollte.
Es begab sich also, dass Mama und Papa dem guten Stern folgten, der ihnen den Weg zur besten Krippe leuchtete und voller Freude erkannten sie, dass sich nebst dem obligatorischen Ochs und Esel, auch noch einige freundliche und kompetent wirkende Erzieher und herzallerliebste Kinderlein in der Krippe befanden, die den verzweifelten Eltern christlich Zuflucht gewährten.  Wenn schon nicht für diese selbst, so zumindest für ihre beiden lockigen Engelchen gab es noch Platz. Hosianna in der Höhe!
Der Einlass zur Himmelspforte führte allerdings über einen steinigen Weg mit fiesen, spitzen Kieselsteinen, die sich unbarmherzig in die frisch pedikürten, zarten Fußsohlen bohrten.
Zunächst wurden die Eltern von den drei heiligen Königen der Kinderkrippe mit Stapeln an Formularen und Anträgen bedacht, die sie zu lesen, auszufüllen und zu verschicken hatten. Die milde Gabe stellte sich als harte Prüfung für die ohnehin nicht minder belasteten und gestressten Eltern heraus.
Als zweite Herausforderung wurde der Mutter auferlegt, mit dem doppelten Mäusezähnchen, dem Gefährt des doppelten Mäusezähnchens und dem öffentlichen Personennahverkehr eine Jahresration an Pampers, Pflegeprodukten, Kleidungsstücken für jede Jahreszeit, Accessoires und Zubehör für jede Gelegenheit zum Stall zu bringen. Pardon, zur Krippe natürlich.
Den dritten und schwersten Schritt stellte dann das eigentliche Aufnahmeritual, die „Eingewöhnung“ dar. Jeden Morgen für ganze ZWEI WOCHEN musste die gesamte heilige Familie beinahe 90 Minuten vor der gewohnten Zeit das Bett und Haus verlassen, um zum Ort der zukünftigen (prophezeiten) Erlösung zu pilgern.
Das Grauen im Morgengrauen.
Unausgeschlafene, übermüdete Prinzessinnen, die bisher nie in ihrem Leben aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt worden waren (sieht man von den dreistündlichen Angeboten zur flüssigen Nahrungsaufnahme auf der Frühchen-Station einmal ab), übermüdete, unausgeschlafene Eltern, die sich mit einer völlig neuen (wenn auch für viele Familien alltäglichen) Situation konfrontiert und überfordert sahen.
Der Papa, so müde und verpeilt, dass er MZ 1 kurzerhand den Pyjama unterm Outfit anließ, was zu einem peinlichen Zwischenfall für die Mama führte, die am liebsten rumpelstilzchen-gleich im Boden versunken wäre, als der Schlafanzug später in der Krippe ans Tageslicht kam.
Die Mama so unausgeschlafen und übermüdet, dass sie zu den Kontaktlinsen gleich sicherheitshalber noch die Brille aufsetzte und sich allen Ernstes fragte, warum ihr plötzlich so unglaublich blümerant zumute war.
Übermüdete, unausgeschlafene und sehr genervte Fahrgäste auf ihrem Weg zum Job im öffentlichen Personennahverkehr, die sich jeden Morgen fragten, was diese unausgeschlafene, übermüdete Mutter mit den beiden unausgeschlafenen, übermüdeten und sehr unzufriedenen Kindern denn am so frühen Morgen schon hier verloren hätte. Störten diese drei doch die übellaunige Stille im Tram ebenso, wie die Stehplatz-Situation im mittleren Bereich desselben.
Erklärend muss hier eingeschoben werden, dass die Morgenmuffelchen natürlich NICHT morgens oder gar ganztags in die Krippe gehen sollten, sondern regulär zweimal die Woche nach dem Mittagessen. Zum Spielen mit den anderen lockigen Engelchen, deren Eltern in der Zwischenzeit gute Taten vollbringen wollen oder zumindest vortäuschen, ebendies zu tun.
Leider aber: Während der Eingewöhnung galten andere Regeln, die uns unseren Rhythmus ordentlich durcheinanderschüttelten. Da gab es leider keine Gnade von oben.

Die Krippe selbst im 1. Stock ohne Aufzug. Mäusezähnchen Zwei ist gerade in Ihrer „Ich mache alles GANZ alleine, und zwar NUR alleine, AUSSCHLIESSLICH alleine – Phase“ und bestand täglich darauf, die für sie oberschenkel-hohen, dreckigen Treppenstufen ALLEINE und zwar GANZ alleine hinaufzukriechen. Und zwar mit Puppe/Kuscheltier/Nuggi/Frühstück in der einen und Trinkflasche/Mütze/"WasauchimmersieaufdemWegnochsogefundenhatte" in der anderen Hand.
Weder dies war im straffen Zeitplan der Mama eingerechnet gewesen, noch die Tatsache, dass nur jedes dritte vorbeifahrende Tram überhaupt dem Zwillingsgefährt Einlass bieten konnte (Aufgrund zu enger Türen und Treppenstufen am Einstieg).
So stellte es sich ein, dass jeden Morgen eine übermüdete, unausgeschlafene, völlig nassgeschwitzte und nicht minder abgehetzte Mama, ihre beiden übermüdeten, unausgeschlafenen und völlig überraschten Kinder in die Krippe brachte.
Das morgendliche Ritual hieß „Morgen-Chreisli“ und gestaltete sich - in den sieben Tagen, in denen die Mama der Veranstaltung noch beiwohnen durfte zumindest (bevor sie sich abnabeln musste von allem, was ihr lieb und teuer war – vor Allem dem Begrüßungslied „Schwappschwabbiduba“) – folgendermaßen:
Alle Kinder – vom sechsmonatigen Schätzeli bis zum viereinhalbjährigen Lillifee-Maitli sitzen brav im Kreis (dem „Morgenchreisli“ nämlich) und rühren sich im Verlauf der nächsten 30 Minuten um keine 5 cm von ihrem Fleck weg.
(Vielleicht werden sie ja unter Hypnose gesetzt, sobald ihre Eltern sie abgeliefert haben???)
Es wird ein Lied gesungen, ein Fingerversli gesprochen, reihum werden die Chind begrüßt und gefragt, was sie heute "zum Zeigen“ dabei haben. Die Objekte reichen vom (der Krippe Vortags geklauten) Haargümmeli bis zur ferngesteuerten Roboterfaust, die Neon Grün leuchtet.
Danach werden einige Kärtli mit Spiele-Vorschlägen in die Mitte gelegt und jedes Kind wählt sich eine Aktivität und einen Mitspieler aus oder wird eben zum Spielpartner und zur Aktivität auserwählt.
Es ist nicht zu glauben, wie brav und routiniert dieser große Haufen Kinder gemischten Alters, gemischter Nationalität - und überhaupt – den Abläufen folgt!
Nicht so das doppelte Mäusezähnchen! Ihre Hoheiten Prinzessin MZ1 und Prinzessin MZ 2 waren von Anfang an der Ansicht, dass ALLES, ALLES was hier an Darbietungen und Veranstaltungen aufgeführt wird, einzig und allein zu IHREN EHREN und IHRER großen Belustigung organisiert wurde!
Bestens gelaunt turnt MZ1 inmitten des Morgenchreisli den herabschauenden (und durch die Beine lachenden) Hund, während MZ 2 mal eben den Rundgang durch die Räumlichkeiten macht, um nach dem Rechten zu sehen. Da vollführt MZ 1 fröhlich den sterbenden Schwan inmitten ihres staunenden Auditoriums, während MZ 2 kisten- und körbeweise Spielzeug mit in die Runde bringt.
Da geht MZ 1 von Kind zu Kind und sammelt fleißig die „Geschenke“ ein (bei den "Geschenken" handelt es sich allerdings um die mitgebrachten Objekte zum Zeigen, aber das wissen bzw. verstehen die MZ scheinbar als einzige noch nicht), während MZ 2 sich an den Aktivitäten-Karten gütlich tut und entscheidet, dass sie heute alle 50 Angebote in Anspruch nehmen wird (zumindest wenn man nach den Karten geht, die sie sich in den Mund steckt), während der Hofstaat gerne wie gehabt, regungslos im Kreis sitzen bleiben darf.
Würden die Erzieherinnen die Zwillinge nicht so mega-härzig finden und allesamt am liebsten mit nach Hause nehmen (sagen sie zumindest), würde sich die Mama also VIELLEICHT schon wieder schämen. Diesmal nicht für den verpennten Papa, sondern für die besten Mädchen der Welt.

Und allein DAS ist ja schon wieder ein Grund zum Schämen!
Weil sie doch bis jetzt gedacht hat, ihre Goldmädchen – der besonderen Geschwisterkonstellation sei´s gedankt oder geschuldet – wären den anderen Kindern in Sachen Sozialkompetenz um Lääääääääääängen voraus.
Tja falsch gedacht, Mama!
Hier in der Krippe gelten andere Regeln.
Da müssen wir alle erst noch reinwachsen.
Amen.



Dienstag, 15. September 2015

Der „Sheriffstern“


Kennt ihr eigentlich den „Sheriffstern“?
Nein? Dann habt ihr wirklich Glück gehabt. Ich kannte ihn bis heute auch nicht. Jedenfalls nicht unter dieser Bezeichnung.

Meine Nachbarin, die dem fröhlichen Folter-Spektakel heute Vormittag
 zufällig beiwohnen durfte, klärte mich auf, dass das eine – unter (Schweizer?) Männern gängige „Geste“, ähnlich der mir bekannten „Brennnessel“ ist, um sich entweder gegenseitig zu dissen (seiner Missgunst handgreiflich Ausdruck zu verleihen) oder einfach mal unverbindlich zu testen, wieviel der andere so aushält, aka ob er ein ganzer Kerl ist.

Ich musste in den vergangenen zwei Wochen also eine neue, schmerzhafte, Methode kennenlernen, wie MZ 1 wahlweise meine Aufmerksamkeit erhaschen oder mich für etwas „bestrafen“ kann, was für sie in irgendeiner Weise unbefriedigend abgelaufen ist.

Möchte man den „Sheriffstern“ nach Art meines (1 Minute älteren) Zwillingsmädchens MZ1 korrekt ausführen, braucht man zunächst: Ein Opfer.

Frauen bieten sich als Opfer besonders an, da ihre Brüste „handlicher“ und schmerzempfindlicher sind, als die von Männern.

Mütter sind die bevorzugten Frauen der Wahl, weil die bedingungslose Liebe zu ihrem Kind sie höchstwahrscheinlich (hoffentlich) davon abhalten wird, dasselbe (Kind) im Affekt ungespitzt in den Boden zu rammen bzw. an die Wand zu klatschen.

Nun wartet man auf einen guten Moment, in dem einem das Opfer sowohl möglichst abgelenkt, als auch wehrlos, frontal zugewandt steht.

Zum Beispiel mit einem Liter Milch in der einen und einem Blumenkohl in der Hand (Objekte beliebig ersetzbar), vor dem - mit Kind befüllten - Einkaufswagen stehend (Situation ebenfalls austauschbar) Samstagnachmittag (Wochentag spielt keine Rolle) bei Aldi (Discounter frei wählbar) in der Kassenschlange.

Dann fährt man die „Greif-Hand“ (also am besten die, in der man mehr Kraft hat – demnach meist die Rechte) unvermittelt aus (so ähnlich wie bei diesen Zangen-Greifern, die auf Knopfdruck unschuldige Plüschtiere aus dem Glaskasten fischen) und zielt auf die Mitte der Brust des Opfers.

Jetzt „Eisenfaust“ machen, sprich so fest wie möglich zupacken und mit wutverzerrtem, irrem Blick einmal kräftig im Uhrzeigersinn drehen.

Beim Drehen gegen den Uhrzeigersinn wird übrigens die gleiche Wirkung erzielt.

Das tut sooo SCHEISSE weh, kann ich euch sagen!!!

Gottseidank weiß MZ 1 aus Erfahrung, dass die Mama bei dieser Übung immer vor Schmerz wie vom Affen gebissen losbrüllt und hält die Streichel-Hand (also eventuell die linke, eben die Nicht-Greifhand) schon bereit, um der Mutter auf der Stelle beschwichtigend zweimal übers Haar zu streichen.

Scheint das Opfer durch das tröstende Kopf-Getätschel und den nachlassenden Schmerz in der Brust wieder halbwegs beschwichtigt und versöhnt (und die durch den Schrei angelockten Gaffer im Supermarkt haben sich langsam wieder in alle Richtungen verlaufen), kann man das Manöver erneut starten.
Augenblick abwarten, in dem sich das gutgläubige Opfer, nichts Böses ahnend, leichtsinnig in Position begibt,… Usw.

Gute Gelegenheiten ergeben sich auch beim Anziehen  auf dem Wickeltisch (vor der stehenden Mama sitzend) oder wenn die Mutter auf der Couch faul und unnütz vor sich hindöst.

Abwandlungen bzw. abgeschwächte Formen des Sheriffsterns sind übrigens „Die Daumenschraube“ und „Der Nagelknipser“, beides Spezialitäten von Mäusezähnchen 2, die sie gerne beim Milch trinken und Einschlafen (sprich Händchenhalten) einsetzt.

Dienstag, 8. September 2015

DAGEGEN!!!

(oder: Das pubertierende Kleinkind)

Ich trotze, also BIN ich.

Das ist sie also, die Entwicklung des ICH, die Geburt des EGOs, die Entdeckung der Eigenständigkeit.

Himmel, hilf! Was ist mit den beiden besten Mädchen der Welt nur geschehen?

Quasi über Nacht haben sie eine 180-Grad-Wende hingelegt, wurden von kleinen
Dr. Jekylls zu großen Mr. Hydes, von herzallerliebsten Sonnenscheinchen zu dunklen Gewitterwolken.

Warum ihr so lange nicht von den Mäusezähnchen gelesen habt?


Sagen wir mal so: Mama war beschäftigt…
Die Mama vom doppelten Mäusezähnchen, welches zu diesem Zeitpunkt
  ca 18 Monate jung war, hatte unter anderem einiges mit fliegenden Tellern, Tassen und Blumenvasen am Hut.

Auch Schuhregale wurden mehrmals täglich (genaugenommen exakt so oft, wie Mama auf Toilette musste) - freundlicherweise nach erst einem vierfäustig geklopften Verwarnungs-Countdown an die Tür des stillen Örtchens – vor die selbige Tür umgekippt.

Die Eifersucht auf die jeweilige Zwillingsschwester  tobte den ganzen Tag und der Platz auf Mamas Schoß wurde ohne Rücksicht auf Verluste im teils blutigen Kampf erobert.

Mama wünschte sich die schalldichten Baustellen-Ohrschützer zurück, die sie in einem früheren Leben mit Bürojob einst gegen den unverschämt fröhlich pfeifenden und singenden Arbeitskollegen zum Einsatz gebracht hatte. Das stundenlange zornige Kreischen der kleinen Diven raubte ihr mehr als einmal beinahe den Verstand.

Zum ersten Mal betete die Mama um eine Ganztagsbetreuung für die Mäusezähnchen und sehnte sich danach, das Haus jeden Morgen um 8.00 Uhr verlassen zu dürfen und erst wieder nach 18.00 Uhr heimkehren zu müssen.

Und abends schämte sie sich dann für ihre Gedanken und ihre Gewissensbisse ließen sie kein Auge zukriegen und sie schwor sich, am nächsten Tag NOCH mehr Verständnis und NOCH mehr Geduld und NOCH mehr Liebe für ihre kleinen Teufelchen aufzubringen. Immerhin hatten auch sie es nicht leicht mit dem, was da in ihrer Entwicklung vonstattenging und mit den Kurzschlüssen und Feuerwerken, die ihr reifendes Gehirn so fabrizierte.

Am nächsten Morgen erkannte die Mama sich nicht mehr im Spiegel. Irgendwer hatte zwei dicke schwarze Balken unter ihre Augen gemalt. Die ließen sich weder mit Seife, noch mit Make-up-Entferner beseitigen und auch nicht mehr überschminken. Es war passiert. Die Mama war endgültig zum Zombie mutiert.

Also schleppte der Mombie (einst Mama, jetzt Zombie) sich ins Kinderzimmer, um wenigstens heute einen neuen, besseren Tag zu beginnen. 30 Minuten und 10 Wutausbrüche von MZ1 und MZ2 später, hatten sie ihr Mut und die Motivation allerdings wieder verlassen und ihre Devise für die folgenden 12 Stunden lautete:
"Überleben und überleben lassen."

Die Mama zog mal in ihrer Frustration wieder einen ihrer verhassten, angestaubten Ratgeber zu Rate – ich schrieb bereits ausführlich über dieses Thema – und informierte sich über Tatsachen, die sowieso nichts Neues waren.

Da fielen Formulierungen wie „Grenzen ausloten“, „Provokation“, „Machtstreben“, „Kontrolle über den eigenen Körper ausüben“, „eigenständige Entscheidungen treffen“, „Entdeckung und Durchsetzung des eigenen Willens“,…

Und wie jedes Mal, wenn die Mama sich hilfesuchend an die selbsternannten Experten der Pädagogik wandte, bekam sie nur schillernde Umschreibungen für ihr Problem und dessen Ursachen, nicht jedoch den kleinsten Hinweis darauf, wie sie diese Hölle auf unbestimmte Zeit noch weiter ertragen oder zumindest für alle Beteiligten erträglicher gestalten könnte. Danke auch!

Gottseidank – GOTT SEI DANK – verschwand der Spuk nach etwa drei Wochen (den längsten drei Wochen in der Geschichte der Zeit) genauso plötzlich, wie er gekommen war.  
Allerdings nicht ohne, dass bereits das Schwiegervater-Rettungskommando (mit viel zu großer Verzögerung!!!) herbeordert worden war.

Mit dem Ergebnis, dass der Nonno mehrmals täglich beteuerte, wie brav und lieb die Mäusezähnchen doch wären. (Worauf hin die Mama sich selbst am liebsten in den A... (Arm) gebissen hätte, weil sie diese Aussage als Provokation empfand, stand sie doch jetzt wie eine Lügnerin da).

Zwei Dinge haben wir aus dieser höchst anstrengenden und nervenzehrenden Phase allerdings für uns mitnehmen können:

1. Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter. (Mama)
2. Das klangvolle Wort „Scheissssssssssssssssssssssse“ (Mäusezähnchen 2)



Montag, 3. August 2015

Akkordarbeit versus Fair Trade

("Wegnehmen" ist was für Babys)

Die besten Mädchen der Welt werden in einigen Tagen eineinhalb Jahre jung.
Zeit für ein erstes Zwischenresümee?

Soviel hat sich verändert in den letzten 18 Monaten. Lediglich die Augenringe und die Rückenschmerzen sind gleich geblieben.

Mäusezähnchen 1 & 2 bereiten uns jeden Tag unendlich viel Arbeit und noch mehr Freude. An manchen Tagen auch anders herum.

In den letzten Tagen beobachte ich MZ1 (mittlerweile KEINEN Zentimeter mehr größer als MZ 2, ihr aber immer noch ganze 60 Sekunden in Lebenserfahrung voraus) immer wieder, wie sie mehr oder weniger fremden und (mir) mehr oder weniger sympathischen Jungs, spontan um den Hals fällt, sich fest an sie schmiegt und teilweise sogar versucht, die (Un-) Glücklichen zu küssen. Ja, KÜSSEN!

"Wie schnell doch die Zeit vergeht", denke ich mir in solchen Augenblicken. Die Objekte der klein-kindlichen Begierde (also die niedergeknutschten Buben) schwanken (auch in wortwörtlicher Hinsicht, dem Gewicht der kleinen Draufgängerin geschuldet) zwischen Überraschung und Überforderung. Es ist ja allgemein bekannt, dass sich Frauen schneller entwickeln. Aber muss gar es so schnell sein? (Ich selbst beispielsweise bin mit 15 Jahren noch nicht so ans andere Geschlecht „rangegangen“, wie meine (eine Minute) ältere Tochter das mit  ihren noch nicht einmal 18 Monaten tut!

Anderes Beispiel: Noch vor wenigen Wochen artete unser 14-tägiger Großeinkauf (im sehr viel günstigeren, deutschen Ausland – ja ich gebe es ungeniert zu, auch wenn mich viele Schweizer dafür hassen werden – aber irgendwo muss das Geld ja auch herkommen!) meist erst nach der Rückkehr zur ultimativen Katastrophe aus.

Die Mäusezähnchen stürzten sich dann wie die Geier auf die vielen Kisten und Tüten mit den Einkäufen, zertraten dies, zermanschten das, verschleppten jenes, verschütteten etwas anderes (siehe z.B. meinen Beitrag „Vorsicht Schlüpfrig“)  und hinterließen unter Garantie in jedem einzelnen Lebensmittel (vom eingepackten Baby Bel Käse bis zur ungeschälten, roten Zwiebel) ihre Bissspuren. Konsequent.

Oft hatten wir etliche Stunden, teilweise Tage nach dem Einkauf noch unsere Freude an den Folgen. (Ja, was liegt denn da ganz hinten unterm Sofa und stinkt unauffällig vor sich hin??? Wer hat denn zerbrochene Eier eingekauft? Wo ist denn eigentlich die Zahnpasta hingekommen, haben wir doch auch mitgenommen!!!)

Neu ist: Es gibt eine LIEFERKETTE!!! Der Papa lädt die Kisten, Kästen, Tüten und Taschen aus dem Auto, stellt sie in den Garten wo Mäusezähnchen 1 schon eifrigst bereit steht. Aber es wird nichts mehr zerdrückt, zerbissen und versteckt – nein! Produkt für Produkt wandert voller Tatendrang aus den Einkaufskörben direkt in die Hände von  MZ 2, welches wiederum emsig wie ein fleißiges Bienchen zwischen Terrasse und Küche hin und her wuselt und Zubringen für die Mama spielt, die alles nur noch in Kühlschrank, Gefrierfach oder Vorratsschrank räumen muss!

Kinderarbeit sagt ihr? Ja, vielleicht. Aber so geschäftig und stolz sieht man die vorbildhaften Muster-Engelchen sonst ganz, ganz selten. Sie fühlen sich so unglaublich wichtig und ja - sie helfen doch auch wirklich! Selbst wenn man sich an der Reihenfolge und Auswahl, dem Tempo der Zustellung oder der Transport-Art ("Möchtest du das groooße Glas wirklich unterm Arm tragen?" "Bitte das Joghurt nicht so feste drüüü..." – ...zu spät…) stören möchte, die Mäusezähnchen sind in dieser Zeit beschäftigt, bleiben im Blickfeld und stellen nichts an. Was will man mehr?

So gewissenhaft, folgsam und „bei der Sache“ sind sie eigentlich nur bei EINER anderen Gelegenheit: Wenn ich zu Tisch bitte. Während ich in der Küche noch das Essen zubereite, fällt irgendwann der Satz: “Setzt ihr euch bitte schon in eure Stühlchen, gleich gibt’s Essen.“ Und selbst wenn ich diesen Satz nur flüstern würde und dabei auch noch gegen die Wand sprechen, die Mädchen RENNEN ins Wohnzimmer, sind hyyyyyper-aufgeregt und eilig, suchen sich die beiden Stühlchen (die meist IRGENDWO in Wohn- oder Arbeitszimmer verstreut parkiert stehen) und setzen sich so schnell, wie IRGENDWIE möglich darauf. Ich habe es mehrfach heimlich beobachtet. So panisch nach einem Stuhl gerannt bin ich selbst früher höchstens auf Kindergeburtstagen, wo die „Reise nach Jerusalem“ gespielt wurde und dem Gewinner ein "kleines" Säckchen mit 5kg Gummibärchen winkte…

Ich muss dann nur noch die hungrige Meute auf ihren Stühlchen in Richtung Essplatz „fahren“, optimaler Weise in Blickrichtung Esstisch drehen, anschnallen und servieren. Tiptop!

Ärger hingegen bereitet immer noch das leidige Thema „Meins – Deins“, was man treffender mit „MEINS! MEINS! MEINS!“ beschreiben könnte. Ihr erinnert euch an die Möwen in „Findet Nemo“? Es sieht so aus und es klingt auch so, als wenn ein Schwarm gierig kreischender Möwen nach einem einzelnen, kleinen Clownfisch hackt.

Aber selbst hier zeigt sich eine Entwicklung. In Richtung Trade. Nicht Fair Trade, aber immer hin Trade. Das Objekt der Begierde (Gottseidank in diesem Fall kein blondes Büebli) wird nicht mehr einfach herzlos der Schwester entrissen (wie in den vergangenen Monaten üblich) – NEIN, es wird ihr SOGLEICH (quasi schon im Vorfeld geplant und genau vorbereitet) ein Ersatz überreicht! Ob sie diesen dann jeweils adäquat findet, sei dahingestellt. Aber immerhin! Es handelt sich hierbei, wie man bemerkt, schon lange nicht mehr um einfaches „Wegnehmen“. „Wegnehmen“ ist was für Babys, Kleinkinder TAUSCHEN!

Das Geschrei bleibt dasselbe…



Donnerstag, 16. Juli 2015

Applaus, Applaus


Wenn Mäusezähnchen 1 etwas, in ihren Augen, besonders Braves oder Bemerkenswertes vollbracht hat, schaut sie nach Vollbringen der Tat erst einmal Beifall heischend in die Runde, setzt dann ihr stolzestes Siegergrinsen auf und beginnt, sich selbst herzhaft zu applaudieren.

Wann haben WIR eigentlich aufgehört, stolz auf uns zu sein? Wer hat eigentlich in unseren Köpfen verankert, dass Eigenlob stänke und sogar Freundschaften koste? War es unsere langjährige Erfahrung?

Im Fall der Mäusezähnchen wirkt der Eigen-Applaus jedenfalls hochmotivierend. Besser als jeder selbsternannte Motivationsguru, der pro Stunde Beifall 300 Stutz kassiert. Es kann so einfach sein…

Es KANN so einfach sein. Muss es aber nicht. Ich zum Beispiel hab es im Moment nicht einfach. (Wobei man das „im Moment“ auch ersatzlos aus dem Satz streichen könnte.)

Es gibt NICHTS an Dummheiten, was dem doppelten Mäusezähnchen in den letzten Tagen nicht eingefallen wäre! Ich pfeife echt aus dem letzten Loch!
Ich schlafe sogar schon ein, (sogenannter Sekundenschlaf) während ein Kind auf mir herumsteigt (thai-massage-artig, wenig sanft) und das andere mich im Gesicht mit Bausteinen bearbeitet (nicht minder zimperlich).

Die letzten Tabu-Zonen (über 1,20 Greifhöhe) wurden gebrochen. Es wird sich munter vom Tisch bedient. Sei es mit Blumenvasen nebst Inhalt, Kaffeetassen (Gottseidank eh fast immer kalten Inhalts), Stiften und (meinen! wichtigen!!!) Unterlagen als Malpapier. Das gute am Zwilling-Sein: Es ist immer jemand zum Räuberleiter-Halten zur Stelle. Und bei jeder Aktion steckt jemand mit dir unter einer Decke!

Haben wir frische Pampers an, setzen wir uns eiliger ins Planschbecken als Mama bis Drei zählen kann. Sind wir nackig, sind wir schneller als die Feuerwehr zurück in der Wohnung und planschen enthusiastisch in Pfützen (Marke Eigenproduktion) oder erleichtern uns in die Bücherkiste („Einfach immer der Nase nach, Mama!“).
Verlust der letzten 14 Tage: Vier Bücher + weitere drei, die Planschbecken oder Badewanne zum Opfer gefallen sind.

Mäusezähnchen 2 hat es auch nicht leicht. Sie wird neuerdings mehrmals täglich und am besten rücklings von den überschwänglichen Umarmungen ihrer „großen“ Schwester (15 mm größer und 60 Sekunden älter immerhin) zu Boden gerungen und förmlich niedergeknutscht in überschäumender Geschwisterliebe. Das Resultat? Mindestens ein verzweifelt kreischendes und ein enttäuscht heulendes Kind…

Manchmal denke ich im Ernst, es haut mir bald den Vogel raus! Ich kann nicht mehr! Die beiden besten Mädchen der Welt sind so viel geschickter und flinker im Chaos- und Katastrophenschaffen, als ich es in der Schadensbegrenzung je sein werde!

Manchmal resigniere ich. Aber nur für 10 Minuten. Dann holt mich der Selbsterhaltungstrieb wieder ein, der Überlebensinstinkt flammt auf und ich kämpfe erneut… Gegen 17-monatige Zwillings-Windmühlen.
In dem Sinne: „Applaus, Applaus, Mami!“




 

Freitag, 10. Juli 2015

You say „Gubai“...


...and I say "Hello???"

Ich weiß nicht, ob ihr es schon wusstet, aber im Sandkasten fabriziert man heutzutage keine schnöden Kuchen mehr, im Sandkasten wird aktuell Haferbrei gekocht. War mir ebenfalls neu bis eben. Aber nun!

Ich befinde mich nämlich gerade auf einem Spielplatz. Der Luxus des Tages: Nur EINES der beiden Mäusezähnchen wärmt mir mein Knie und massiert mir aufgeweichte Reiswaffeln ins schwarze Sommerkleid.

Nummer 2 ist mit unserer neuen Babysitterin (einem härzigen 14-jährigen Mädchen, das nach Schulschluss ab und an "das Doppelte Mäusezähnchen" für zwei Stunden zum Spielen besucht) auf Spatzenjagd.

Die Spatzen ihrerseits sind wiederum auf der Jagd nach unseren Reiswaffeln. Hier schließt sich der Kreis und ich fühle mich langsam aber sicher, wie ein Komparse in Hitchcocks „Die Vögel“.

Ihr Hunger macht die gefiederten Freunde furchtlos und sie reissen uns das Zvieri regelrecht aus der Hand. Dass es hier was zu Futtern gibt, hat in der Zürcher Federcommunity scheinbar schnell die Runde gemacht und allmählich wird es gruselig auf dem fliederumrankten „Snack-Plateau“ in der Mitte des Spielplatzes.

Achso. Der Haferbrei. Ich war beim Haferbrei stehengeblieben. Der Haferbrei, den das Kind dieser extrem unsympathisch tönenden Mutter („Jean-Pascal, ich sage es nur noch einmal: Wenn du nochmal mit Sand wirfst, gehen wir SOOOO-FORT!!! nach Hause!“) seit geschätzt zwei Stunden aus Sand (in dem die Spatzen baden) zusammenpanscht, ist GARANTIERT:

Zuckerarm, glutenfrei, lactosefrei, fettarm und ganz sicher auch aus ökologisch erwirtschaftetem Vollkornhafer, von regionaler Herkunft - fair gehandelt. Mit Gütesiegel. Und blütenweißem, reinem Gewissen. Ein weiterer Luxus... Jean-Pascal weiß was er tut. Es bleibt ihm ja auch nichts anderes übrig... Dem Ärmsten.

Apropos Luxus: Mittlerweile sitze ich völlig kinderlos und zwillingsfrei unter den schattigen Fliederranken und kritzle vor mich hin. Die besten Mädchen der Welt graben währenddessen nach Gold. Oder Dinosaurierknochen. Oder Grundwasser. Oder dem Mittelpunkt der Erde. Nach irgendetwas jedenfalls, was sich tief in der Erde unter der Rutschbahn befinden muss.

Vielleicht finden sie ja was und wir werden reich und ich kann die Babysitterin adoptieren und sie muss nie mehr nach Hause oder in die Schule gehen und kann mindestens bis die Kleinen volljährig sind ganztags mit ihnen Sand spielen? Oder wenigstens buddeln sie was aus, was wir dem Nationalmuseum geben können?

Ich erwache aus meinem Tagtraum und mache mir klar, dass die Süßen im besten Fall vergessene, kaputtgespielte Sändeli-Sachen und schlechtesten Fall – Pfui Teufel – Kippen zu Tage fördern werden. Ich selbst habe heute schon zwei entsorgt und dabei noch nicht mal selbst geraucht!

Eigentlich, ja eigentlich, wollte ich euch jedoch etwas ganz anderes erzählen heute. (Sollten wir nämlich jetzt und hier doch noch etwas Bedeutendes aus dem Sand ausgraben, werdet ihr sowieso durch die Medien davon erfahren.)

Was ich mir noch von der Seele schreiben wollte, ist etwas, was seit einigen Tagen mein, mit grenzenloser Liebe zu meinen beiden Mädchen erfülltes Mutterherz, aufs Unerträglichste bedrückt und das Mutterglück aufs Grauenvollste betrübt: Die „Ersten drei Worte“ wurden gesprochen!

DIE „Ersten drei Worte“ sind vor einigen Tagen aus dem Mund von MZ2 (eine Minute jünger, 15 mm kleiner und ein paar hundert Gramm leichter als MZ 1) gepurzelt. Und purzeln seit diesem Tage auch in regelmäßigen Abständen, völlig belanglos anmutend und wie nebenbei - immer wieder und zu Mutters größtem Entsetzen - aus dem Mund der kleinen Sprachforscherin. Die drei ersten Wörter lauten ausgerechnet: „Trambahn“, „Flugzeug“ und „Goodbye“ (= „Gubai“)!!!

*Kreeeiiiiiiiiiischhhhhh* Ich bin noch nicht bereit zur Abnabelung! (Die erste – doppelte - Abnabelung liegt gerade mal 17 Monate zurück!) Ich kann nicht schon wieder loslassen! Es ist mir definitiv noch zu früh für einen Abschied! Ich habe Angst!

PS: Das letzte (dem Mami mit Abstand am meisten schmerzende) Wort der drei, nämlich: „Gubai“ „antwortet“ MZ2 auch immer in ihr bescheuertes, rotes, chinesisches Telefon-Spielzeug, das bedauerlicherweise nur auf Englisch mit ihr kommuniziert. Danke, Papa!






Dienstag, 7. Juli 2015

Gast oder Gar nicht

Juhuuuuuuu - mein erster Gastbeitrag wurde soeben veröffentlicht.
Bin ja schon ein kleines bisschen stolz drauf *rotwerd*.


http://www.beste-freundin-gesucht.de/magazin/gast-oder-gar-nicht/

Here
we are now. Da haben wir nun den Salat. Tolle Wurst und ganz großes Kino. Als nette Geste wurde mir angeboten, einen Gastbeitrag für eine hochfrequentierte Website zu verfassen und damit, nicht zuletzt auf meinen eigenen bescheidenen Blog aufmerksam zu machen.

Win-Win-Situation. Ende Gelände. Schach matt.

Hach, ja – mein eigener Blog. Ein zartes, junges Pflänzchen von erst wenigen Wochen Lebensdauer und so vielen bzw. eher wenigen Posts, dass man sie noch an den Fingerchen „der Zwillinge“, meiner Zwillinge (um die es sich im Blog auch dreht und wendet) abzählen kann.

Die besten beiden Mädchen der Welt ihrerseits wiederum haben ebenfalls noch sehr zarte, junge und daher recht kleine Fingerchen von gerade Mal 15 Monaten und genau zwanzig an der Zahl. Insgesamt. Ja, ich merke es selbst. Ich verliere mich in Nichtigkeiten und schweife ab. Natürlich haben sie zwanzig Finger. Wäre ja schlimm, wenn nicht.

Eigentlich wollte ich mir Gedanken zu dem Gastbeitrag machen, der einerseits für mich und meinen Blog eine grandiose Chance bieten könnte, andererseits natürlich ein sehr liebenswürdiges Angebot der „Gastgeberin“ darstellt. Mann, was bin ich nervös! Wie immer, wenn jemand anderer als ich selbst Erwartungen an mich stellt, leide ich unter massiven Ladehemmungen. Kognitive Verstopfung sozusagen. Keine weiteren Details, danke.

Dabei wäre die Gelegenheit gerade günstig. Ich habe mich auf der sonnenbeschienenen Terrasse im vogelbezwitscherten Garten niedergelassen und zwitschere gerade ein Bierchen, das ich dem Papa (Ups, peinlicher Verschreiber: Natürlich meine ich meinen Mann, den Vater der besten beiden Mädchen der Welt) aus dem Kühlschrank geklaut habe.

Beim Alkohol haben wir nämlich normalerweise eine strenge Gütertrennung vereinbart. Ihm das Bier, mir den Rest. Klingt unfair, ist es aber nicht. Denn er nennt immerhin ein kleineres Getränkegroßlager, welches mindestens die Hälfte der bayrischen Biere und schweizerischen Brauereierzeugnisse miteinander vereint, sein Eigen. Wie auch immer.


Jedenfalls habe ich ihn vor einer guten Stunde auf einen laaaaaaaaangen Spaziergang mit den weltbesten (und heute extrem schlechtgelaunten) Mädchen der Welt geschickt (er nennt es dramaturgisch: „abkommandiert“), mit der ebenso wahren wie banalen Begründung, ich sei einfach fix und alle und könne bald nicht mehr. (Letzteres ist mit Sicherheit unpräzise ausgedrückt, denn irgendetwas kann man ja immer noch. In jeder Lage. Und sei es schlafen, weinen oder eben biertrinkend auf der Terrasse sinnieren und dabei Sinnloses niederschreiben.)

Doch, es ist mir in der Tat auch aufgefallen. Wir sind wieder vom Thema abgekommen. Also im Grunde: ICH. Ich erinnere mich: Der Gastbeitrag. Harter Tobak. Krasser Stoff. Fette Sch****
Ich stehe der ganzen Angelegenheit so unvorstellbar jungfräulich gegenüber, dem nicht-zielgerichteten Schreiben für eine Zielgruppe, deren Konturen ich auch nur leise erahnen kann.
Unschuldig. Unbewandert. Unbedarft. Pfffft….

Wie ist das überhaupt – muss man sich denn, wenn man sich texterisch (wenn auch nur im Rahmen eines Gastbeitrages) auf einer fremden Plattform bewegt, komplett anders benehmen als „Zuhause“? Um den Gastgeber nicht zu blamieren und zu verärgern, die anderen Gäste nicht einzuschüchtern oder im schlimmsten Fall zu verscheuchen?

Erfordert diese Form von „Auftrag“ womöglich das vorhergehende Absolvieren eines Knigge-Kursus speziell für Schreiberlinge?

Also in MEINEM höchstpersönlichen, eigenen Blog (den ich ja noch nicht mal freiwillig und eigeninitiativ gestartet habe, sondern auf hartnäckiges Wünschen- naja, nennen wir es „Drängen“ – zahlreicher Mütter hin), kann ich mich total gehenlassen. „Die Sau rauslassen“ wie man so schön sagt.

Ich kann dort in ausgeleierten Jogginghosen (eine interessante Bezeichnung übrigens für ein Kleidungsstück, in dem ich nahezu ALLES außer Sport oder gar Jogging praktiziere) antanzen.
Nein, natürlich nicht „-tanzen“. Eher abhängen. Rumlungern. Durch die Gegend eiern. Whatever.
Wenn mir der Sinn danach steht (oder ich zu viel Bier gemopst habe), kann ich sogar ganz laut und ekelhaft rülpsen – und das vor allen Leuten!

Auf meiner eigenen Site kann ich (im übertragenen Sinne freilich) meine Schuhe anlassen oder ausziehen (ohne Rücksicht auf die Anwesenden) und die Füße schlechterzogen mitten auf dem Tisch platzieren. (Gerade im Moment: Auf dem Gartentisch!) In meinen eigenen schriftstellerischen Gefilden (es handelt sich allerdings mehr um Trash, denn um Prosa) sagt mir keiner, was ich zu tun oder zu lassen habe und wenn jemand pikiert guckt, klicke ich ihn eben weg.

In meinem Blog kann ich völlig ungeschminkt daherkommen (oder total kostümiert – wer merkt das schon?) und sogar meine Kontaktlinsen daheim lassen. Denn ich bin daheim. Ich kann lästern und schimpfen und jammern und winseln und motzen und mich unbeliebt machen und am Ende auch noch das letzte Stück Kuchen nehmen, ganz ohne mich für meine Gefräßigkeit zu schämen. Ihr versteht – ich spreche immer noch in Bildern… Wem es nicht gefällt, der hört eben auf zu lesen oder fängt besser erst gar nicht damit an. Ich werde es nie erfahren…

Beim Gastbeitrag ist das aber vielleicht alles ganz anders. Da muss ich vielleicht vorher unter die Dusche hüpfen, ein Kleidchen ohne Essensreste darauf anziehen und „gute Laune“ mitbringen?
Von diesen drei Bedingungen ist die erste noch die leichteste Übung für mich. (Und nur um das klarzustellen: Die Essensreste stammen zu 87,3% nicht von mir und meinen Tischmanieren, sondern von – ja, ihr wisst schon…)

Die besten beiden Mädchen der Welt sind übrigens zwischenzeitlich heimgekehrt. Durchgefroren – hatte der Papa (Oh nein, ich vergaß schon wieder: „Der Göttergatte“ also) denn keine Strick Jäckchen dabei? Klatschnass – hatte der Papa (Arghhh – „Der Herr Gemahl“) denn etwa nicht an die Wickeltasche gedacht? Ausgehungert – warum um Himmels Willen hat der Papa (…) denn kein „Zvieri“ eingepackt? Und mindestens so übellaunig wie bei ihrer Abfahrt!

Kommentar Papa/Ehemann: „DU hast uns ja so unvorbereitet aus dem Haus diktiert (!), wir sind förmlich geflohen!“ (Ich halte mich für wenig furchteinflößend und den vorherigen Kommentar für eine Ausrede.) Und ewig tobt der Elternkampf…

Früher (wir sind schon 10 Jahre lang ein Paar) konnte man sich ja wenigstens zeitweise aus dem Weg gehen. Heute bereut man es schon fünf Minuten, nachdem man den Partner zur Tür rausgejagt hat, weil man dann quasi Alleinerziehend mit zwei erziehungsresistenten Kleinkindern ist. Heavy! Nun kann ich nicht mehr wie damals, die Situation mindestens fünf Stunden, in besonders schweren Fällen bis zu fünf Tagen aussitzen, bevor ich das Handy zücke und um sofortige Rückkehr flehe.


Jaaaahaaaa, ich weiiiiheiiiß. Ich befinde mich erneut inmitten eines ungeschickten Ablenkungsmanövers. Ich rede, pardon – schreibe nun mal nicht gerne über Dinge, mit denen ich mich nicht auskenne. Gastbeiträge beispielsweise. Gastbeitrag, Baby – Gastbeitrag!

Was bringt man in dem (meinem) Fall am besten als Gastgeschenk mit? Ein paar hübsch verpackte Sätze? Einen Strauß bunter Worte in Zellophan? Einen selbstgemischten Buchstabensalat fürs Buffet? Ach Gott, ich bin so planlos. Planlos und langsam auch verzweifelt. Ich meine – im Ernst: Das mit der Eigenwerbung ist doch sowieso schon gründlich in die Hose gegangen. Und vielleicht – ja vielleicht, knallt mir die Gastgeberin letzten Endes ja doch noch die Tür (zu ihrem virtuellen Portal) vor der Nase zu.

Ich könnte es ihr nicht verübeln. Ich habe heute einfach nicht viel zu sagen. Zu meiner Verteidigung: Ich hatte darum gebeten, ein Thema zugeteilt zu bekommen. Etwas Konkretes, an dem ich mich behutsam entlang formulieren und notfalls dran aufhängen kann. Sie erwiderte: „Schreib über dein Leben (unspektakulär!), deinen Alltag (völlig unspektakulär“), deine Beziehung (ihr ahnt es…), deine Kinder (ja!!! Spektakulär“ darum habe ich ihnen ja einen eigenen Blog zugedacht), irgendwas eben!“

Nun ja, ich möchte nicht überheblich wirken, aber „Irgendwas“ ist das hier ja schon geworden. Ein Rundumschlag. Nichts Halbes und erst recht nichts Ganzes. Mit vielen Worten nichts gesagt.


Ein Gastbeitrag eben. Gastbeitrag! Beim nächsten Mal wird’s besser. Ich schwöre!




Freitag, 3. Juli 2015

Rot-Weißes Sommerloch

Ich hätte es ja nicht für möglich gehalten, aber tatsächlich stellt sich dieses Jahr unerwarteter Weise eine Art Sommerloch bei uns ein. Ich kannte das bisher nur aus den Zusammenhängen mit Medien oder Politik. Wenn einige Wochen nichts Interessantes mehr im TV zu sehen war, nur Wiederholungen. (Wobei, wann WAR eigentlich das letzte Mal etwas Interessantes im TV zu sehen?) Oder wenn die Zeitungen nur noch halb so dick waren wie sonst und trotzdem voll mit irrelevantem Füllstoff.

Man möchte meinen, als Vollzeit-Mami von 16-monatigen Zwillingsmädels wäre arbeitstechnisch sowieso immer Hauptsaison: Das bisschen Haushalt macht sich eben nicht von allein, die Ansprüche der besten Mädchen der Welt werden mit dem fortschreitenden Entwicklungstand nicht gerade geringer – es sollte diese Art von Job also eigentlich keinen saisonalen Schwankungen unterworfen sein. Möchte man meinen, wie gesagt.
Aber irgendwie ist momentan doch alles ganz anders. Seit Mitte Juni ist gefühlt ganz Zürich im Sommermodus. Das Leben besteht nun aus Apéro und Badi, Grillieren, Festivals und Ferien. Vielleicht in die Toblerone-Berge zur Abkühlung… Möglicherweise auch nach Ägypten zum Schnorcheln. Destination ist eher Nebensache.

Jedenfalls herrscht in den überhitzten Räumen der Chrabbelgruppe im Moment ebenso gähnende, lähmende Hochsommer-Leere, wie in unserem wohnungs- und hausflurinternen Mami- und Kinder-Treff. Einfach niemand da! Alle ausgeflogen - im wahrsten Sinne des Wortes. Das ganze Planschbecken gehört den Mäusezähnchen allein, das ganze Kaffeegebäck dem Mami allein. (Das ist übrigens kein grammatikalischer Fehler, liebe nicht-schweizerischen Freunde - man sagt tatsächlich: "Das Mami")

Es ist still geworden. Mit der drückenden Hitze kam auch die Stille. Und die Entschleunigung. Gottseidank. Ansonsten hätte sich der Kreislauf auch über kurz oder lang in die Ferien verabschiedet. (Meine Rechtschreibprüfung hat was gegen die "Entschleunigung". Hat wohl noch nie davon gehört? Oder handelt es sich dabei etwa um ein "Unwort" der letzten Jahre?)

Die besten Mädchen der Welt setzen sich schon nach dem Aufstehen in den erfrischenden Sprühnebel vom Gartenschlauch. Rücken zum Wasser. Ausziehen muss man sie nicht, denn sie haben gar nichts an. Wenn - allen Umständen zum Trotz - doch einmal Besuch erscheint, dann tragen sie Pampers.
(Außer vielleicht es handelt sich um so überraschenden Besuch, wie unseren Hausmeister heute Vormittag, der plötzlich im nassgeschwitzten Unterhemd (wer kann es ihm verübeln?) - die Zigi im Mundwinkel, die Elektro-Sense in der Hand  -vorm Pool (und den nackigen, ebenso überraschten Hasenpupsen) stand und "Wotsch trimme?" grummelte.)


Tagsüber laufen sie eventuell ein paar Schritte die beiden. Auch um ihre neu gewonnene Fähigkeit nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen. Vom Herumlümmeln auf den sonnigen Liegestühlen die zwei Meter weit bis ins kühlende Nass ihres Mini-Pools vielleicht. Oder vom kalten Buffet am Sofa-Tisch ins kühle, dunkle Schlafzimmer, ein bisschen Siesta halten – einmal quer durch die Wohnung immerhin – auf den ebenfalls angenehm kühlen Steinfliesen.

Der Rhythmus hat sich verändert. Man ist müder und schwerfälliger. Der Mittagsschlaf hat sich verlängert, die Spaziergänge gibt es kaum noch – die Hitze fordert ihren Tribut. Nebenbei sind die kleinen Sonnenanbeter noch mit der Produktion von Backenzähnen und der Massenvernichtung von Erdbeer-Glaces beschäftigt. Aber nur am Rande. Alles andere wäre viiiiiiiel zu anstrengend.


Und das Mami? Das Mami tupft sich die schwitzige Stirn, stellt ihre geschwollenen Füße ins wohltemperierte Poolwasser, serviert kühle Getränke, stockt das kalte Buffet von Zeit zu Zeit auf, unterbricht nervige Ameisenstraßen mit dem Wasserstrahl, jagt Mücken (auch die sind träge und darum leicht zu erwischen) und fischt zweifelhafte U-Boote aus dem Planschbecken.Das absolute Highlight der letzten Wochen war ein Höhepunkt des autoaggressiven Verhaltens meinerseits. Bei 36 Grad Außentemperatur habe ich mich von morgens bis nachts an den Herd/Backofen gestellt und im Akkord Guetzli (Schriftdeutsch: Plätzchen/Kekse) gebacken! Frohe Weihnachten allerseits! In weniger als 6 Monaten ist es wieder soweit.

Dachte mir wohl: „Wenn ich schon schwitzen muss, dann wenigstens richtig!“ Und das nicht nur wegen der Bullenhitze, sondern weil ich die beiden besten Mädchen der Welt parallel dazu nonstop zwischen Backstube (Vorsicht, heiß!) und Planschbecken (Kinder niemals unbeaufsichtigt lassen!) beaufsichtigen und unterhalten musste.


Außerdem hat sie die dritte Runde im Babysitter-Casting eingeläutet und führt Job-Interviews, beaufsichtigt „Probe-Spiel-Nachmittage“ und lädt geeignete Kandidaten/innen dann zum Recall ein. Ein mühseliges Unterfangen und ein undankbarer Zeitvertreib.

Und sie hat begonnen, Schnuller- und Kinderwagenketten zu basteln. In den Abendstunden dann. Für den bevorstehenden Babyboom im Freundeskreis. (Mein Gott, möchte ICH jetzt (!!!) NICHT schwanger sein oder gar gebären müssen!!!)

Sogar mein Blog macht grad Ferien. Ich weiß nicht, ob es einem von euch aufgefallen ist oder ob ihr selbst grad im Stand-By-Modus unter Palmen (oder Ventilatoren) dahinvegetiert und von nichts etwas mitbekommt. Zumal es ja auch nichts mitzubekommen gibt.





Dienstag, 23. Juni 2015

Who´s Who? Oder: Die Identifikations-Krise

Neulich kam der bayrische Nonno der beiden Mäusezähnchen zu Besuch zu uns ins rot-weiße Toblerone- und Raclette-Land. Warum der Opa „Nonno“ heißt, obwohl er aus dem blau-weißen München ist, ist eine komplizierte Geschichte, hat mit den Herkunfts- und Verwandtschaftsverhältnissen der Familie meines Mannes zu tun und dient UNS Erwachsenen als Unterscheidungsmerkmal. Kann ja nicht jeder „Opa“ heißen.

Die beiden besten Mädchen der Welt sind 16 Monate jung und nachdem sie seinerzeit aus nur EINER besonders frechen Eizelle (die zu Scherzen wie zum Beispiel einer unvorhergesehener Teilung aufgelegt war) entstanden sind, sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich.

Jedenfalls fragte der Nonno nach überschwänglicher Begrüßung die beiden Schnullerbacken, die sich als Empfangskomitee auf ihren Bobby Cars aufgebaut hatten: „Wer ist denn Mäusezähnchen 1?“ (Natürlich fragte er nach dem wirklichen Namen von MZ 1). Beide Mädchen, breitgrinsend und wie aus der Pistole geschossen: „Daaaaaaaa!“. Leider war der Zeigefinger jeweils auf die Schwester gerichtet.


Der Nonno, leicht irritiert hatte zum Glück noch Trick 17 in der Hinterhand und erkundigte sich darum: „Wo ist denn Mäusezähnchen 2?“ (Ebenfalls benutzte er selbstverständlich den richtigen, den Mädchen bekannten Rufnamen). Kein Überlegen, kein Zögern seitens der kleinen Scherzkekse – wiederum lautete die Antwort: „Daaaaaaaaa!“ und die Mädchen zeigten voller Überzeugungskraft aufeinander.


Hätten wir das also geklärt gehabt... (Und ich wünsche den zukünftigen Lehrern unserer Mädchen jetzt schon viel Spaß und alles Gute mit den beiden im Unterricht!)


Ein weiteres Identifikations-Dilemma trat neulich bei einem unserer beliebten Ausflüge (ich schrieb bereits zu diesem Thema) auf. Und zwar begegneten die beiden besten Mädchen der Welt zum ersten Mal einer Katze ("äs Büsi", CH-dütsch – wir üben schon für die Kita) im „Real-Life“. Also nicht in der Kuscheltierli-Kischte, auch nicht im Bilderbuch und auch nicht aus sicherer Entfernung - angeschnallt im Kiwa, sondern Vis à Vis auf dem grünen Rasen.
Zunächst waren sowohl der Stubentiger als auch die beiden Mäusezähnchen höchst angetan voneinander und außerordentlich interessiert aneinander. Vorsichtig wurde sich gegenseitig beschnuppert und zaghaft berührt und der Mama (mir) ging das Herz auf ob dieser berührenden Szene. (Mama liebt, im Gegensatz zum Papa die Tiere und freut sich, wenn die MZ auch frühestmöglich Kontakt aufnehmen zur vierpfötigen Spezies).

Dann kam es zur folgenschweren Verwechslung: Mäusezähnchen 1, die von jeher die Forschere der beiden Lieblingskinder ist (sie war es auch, die die Fruchtblase seinerzeit zerstört hatte und Füße-Voraus den Ausgang suchte), erinnerte sich wohl an ihren chinesischen Roboter-Husky zu Hause. (Der Papa wiederum und im Gegensatz zur Mama, liebt chinesisches Roboter-Spielzeug, auch darüber berichtete ich bereits ausführlich…).

Langer Rede, kurzer Sinn: Der batteriebetriebenen Höllenmaschine daheim (hat auch ein Fell, vier Beine und 2 Augen) muss man kräftig auf den Popo hauen, damit sie anfängt, zu bellen und „Männchen“ zu machen bzw. mit dem Schwanz wedelt oder ein paar Schritte läuft.
Ja, die Mäusezähnchen wollten mir nicht glauben, dass auch das "Büsi" Gefühle hat. Wahrscheinlich wollte MZ 1 die Mietzekatze, wie gesagt, einfach zur Aktion animieren, indem sie ihr ordentlich den Hintern tätschelte  – auf alle Fälle ging es ziemlich ins Auge und das verärgerte Tier wischte dem überraschten Kind daher spontan Eine, bevor es sich beleidigt zwei Meter weiter wieder niederließ.
Da war der Ofen erstmal aus, zumindest für MZ 1, die gar nicht wusste, wie ihr geschehen war. Man könnte jetzt sagen, ich sei keine gute Mutter, hätte ich doch die kleine Maus vor dem bösen Tiger besser beschützen müssen.
Aber ich finde, gewisse Erfahrungen muss man selbst machen. Es ist ja nicht so, als hätte ich sie nicht mehrfach gewarnt und ihr gezeigt, wie man Katzen am besten und artgerecht krault. Und überhaupt ist doch der Papa Schuld, kauft er immer so unrealistisches, elektronisches Schrott-Spielzeug! Oder? Eben!!!
Was mir auch, nur nebenbei bemerkt, kürzlich erst aufgefallen ist: Mäusezähnchen 2 (also die 15 mm Kleinere und etwas Sanftere der beiden Lieblingsmädchen) intoniert gerne ihr Spiel. Und zwar macht momentan alles, was Räder dran hat - selbst, wenn es sich um ein Pferd („Rössli“ CH-dütsch) handelt: „Brrrrrmmmmmm“ und alles, was weich und plüschig ist: „Mama-Mama-Mama-Papa, Mama-Mama-Papa-Papa“, während es auf und ab hüpft.

Ob das ein Kompliment ist? Ich weiß es wirklich nicht...

Montag, 15. Juni 2015

Grillen mit Schweizer Ak´zent

Vorab nur kurz: Es soll im heutigen Beitrag NICHT um fleuchendes Krabbelgetier mit heimischem Dialekt gehen. Nicht vordergründig zumindest – immerhin kommen auch die kreuchenden Insekten nicht zu kurz (aber sie kommen auch nicht gut weg, Mundart hin oder her). Es geht um das Grillieren nach Zürcher Art.

Dem „gemeinen Zürcher“ seine Religion ist das Grillieren, sein Tempel ist der Grill (vom kleinen Einmal-Taschengrill bis hin zum balkonfüllenden Profigerät – alles ist erlaubt), dem Gott des Brutzel-Kultes wird alles geopfert und dargeboten, was die (hoffentlich zumindest) regionalen Schlachthöfe und der private Kühlschrank so hergeben. Saison ist immer. (Mindestens aber von März bis Oktober) Einen Anlass gibt es ebenfalls jederzeit.

Warum man „grillieren“ sagt? Ist eben so. Es heißt auch „parkieren“. Nicht etwa „parken“. Wir haben das begriffen und akzeptieren das. Wir haben es verinnerlicht. Wir hinterfragen es nicht mehr oder WENN - DANN nur im Kontext dieses Textes mit „multi-nationaler“ Zielgruppe.

Im Zuge dieses Akts der Auto-Integration (so nenne ich es mal, dass wir verstärkt versuchen, nicht mehr ganz so negativ als verhasste „Deutsche“ aufzufallen) haben wir es also am Samstag gewagt, und im familiären Kreise (Papa, Mama, das doppelte Mäusezähnchen) das Tempel-Ritual im Garten eröffnet.

Als ich unsere Wohnung vor eineinhalb Jahren (wenige Wochen vor der Geburt der beiden Mäusezähnchen) das erste Mal sah – man muss wissen, mein Mann war schon ein halbes Jahr zuvor ins grillierende Ausland vorgezogen, um seiner Frau, die zu dem Zeitpunkt schon 6 Arme, 6 Beine, 3 Köpfe und 3 Herzen ihr Eigen nannte, ein heimeliges Nest zu bauen – erkannte ich allen Ernstes den okkulten Stein-Tempel in unserem Garten NICHT als Grill. Ich fragte mich, leicht irritiert, welcher Sekte die Vormieter wohl angehört hatten und was sie in ihrem / unserem Garten unter dem Schein des Vollmondes schon so an diversen "Ritualen" praktiziert hätten.

Vergangenen Samstag war also DAS Datum (im Inka-Kalender nachzuschlagen) und es
 sollte demnach auch bei uns so weit sein. Nach Beschaffung (Schwyzerdütsch: "poschten") des zu opfernden, geweihten und bereits toten Fleisches, wurde erstmal der Opferstein ordentlich eingeräuchert. Und nicht nur der: Der Opferstein, der sakrale Tempel-Garten, die heilige Familie inklusive der Mäusezähnchen - die ordentlich was zu staunen hatten – war es doch ihr erstes Feuer-Zeremoniell, dem sie hautnah beiwohnen durften.

Eingeräuchert wurden übrigens auch die Nachbarn, die wir – neben all den bösen Geistern – sicher ebenfalls mit diesem „Reinigungs-Ritual“ ausgetrieben haben. Jedenfalls schloss sich ein Fenster nach dem anderen und alle Balkontüren über uns gingen zu – bestimmt hat dieser Teil des Integrationsaktes unsererseits schon bestens funktioniert, um uns bei den „Einheimischen“ beliebter zu machen…

Gegen 20.00 Uhr resignierte mein Mann, der Papa der Mäusezähnchen endlich. Er kapitulierte vor der Macht des Feuergottes, der sich einfach nicht rufen ließ – von uns Deutschen doch nicht!!! – und raste in letzter Minute noch zum „Jumbo“, Grillanzünder holen. (Ich hatte dazu schon beim Einkauf drei Stunden zuvor geraten, aber in alter Steinzeitmenschen-Manier war mein Mann der Überzeugung, den Feuergott allein durch seinen zündenden Funken beschwören und betören zu können.

Ich überspringe an dieser Stelle einige Stunden des anstrengenden und mühseligen Feuertanzes um die kalte Grillschnecke herum und darf freudig verkünden, dass die erste Bratwurst um 22.15 Uhr verspeist werden konnte. (Und zwar von meinem Mann. Den Kindern stieg nämlich bereits gegen 20.30 Uhr die ewige Vorfreude so zu Kopf, dass sie schnellstens in Bett gebracht werden mussten und ich persönlich hab´s bekanntlich nicht so mit der Zubereitung und dem Verzehr von "Leichenteilen". Auch nicht bei so einem spirituellen, nächtlichen Opferritual wie dem Unseren.)

Mein „Fleisch des Waldes“ in seiner Aluschale war zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal lauwarm, geschweige denn grilliert, so dass ich es kurzerhand – keiner hat´s gesehen – im Backofen übergrillte (was einer Hostienschändung gefährlich nahekommt) und mir dann stilecht in der Nähe der Glut (die nach drei Stunden inbrünstiger Gebete endlich beharrlich vor sich hin glomm) einverleibte.

Zu so später Stunde gesellten sich dann auch Fledermäuse, Kröten, Eidechsen, Spinnen und manch andere ungebetene Gäste zu uns, so dass ich die transzendente Erfahrung des Weiteren dann lieber durch die sichere Glasscheibe der Küchentür mit meinem Mann teilte. Er fand das weniger romantisch – saß er doch mittlerweile ganz alleine an der Feuerstelle (so wie damals in der Steinzeit), aber ich hatte auch drinnen genug zu tun mit den Mücken und Waldkakerlaken (die ihren Verwandten, den Indikatoren für unhygienische Zustände, verblüffend ähnlich sehen), die mir ins Innere gefolgt waren.


Ich hatte es bereits mehrmals erwähnt. Ich lasse weder gerne für mich töten (weder Schweine, noch Rinder, noch Fische, noch Rehe, noch Hühner, noch Menschen), noch morde ich selbst – wenn es nicht unbedingt sein muss. (Ich weiß, es geschieht oft genug aus Bequemlichkeit, Unumgänglichkeit oder Inkonsequenz – Mücken und *Exfreunde sind da ein gutes Beispiel bei mir. Daher möchte ich mich gar nicht als Moral-Apostel aufspielen hier). So versuchte ich, die Waldkakerlake (sie ist völlig harmlos für Menschen, Lebensmittel & Co, aber ich kann sie trotzdem nicht leiden!!!) mit dem Glas-Trick zu beseitigen. Ihr wisst schon: Glas drüber, Postkarte drunter, wieder hinaus tragen.


Was dann passierte, tut mir wirklich unendlich Leid und immer noch in tiefstem Herzen regelrecht weh. Der wunderschöne Abend endete mit einer grausigen Enthauptung (der Waldkakerlake). Ich war zu langsam mit meinem Glas und trennte dem armen Tier tatsächlich zielgenau den Kopf ab. Der Schwyzer Grillier-Gott  war not amused ob meines Zucchetti-Opfers (für die Deutschen/Österreicher unter uns: Zucchini) aus dem Backofen, das kam einem doppelten Betrug nahe und er forderte auf SEINE Art doch noch ein Lebewesen von mir.

Wie ich mit dieser / meiner „Tat“ nun seelisch fertig werden soll und wie ich die Erinnerung an die dahinscheidende „Kaki-Laki“ (ich nenne sie so, denn wenn man Tiere, vor denen man sich gruselt "domestiziert, sollen sie an Schrecken verlieren), deren Innereien zum Hals herausquollen, während der Kopf mit den Fühlern noch am Zappeln war und der abgetrennte Rest sich krümmte, jemals verdrängen soll – bleibt wohl mein Problem. Außerdem komme ich sicher in die Hölle deswegen, sowas ist bekanntlich ganz schlecht fürs Karma.


* war nur Spaß, ihr kennt mich doch! (dafür bin ich viel zu feige)

 

Donnerstag, 11. Juni 2015

Babyschwümme 2.0

Es tröpfelet, es tröpfelet…
(nämlich aus der super-schicken Schwimmwindel in den Sitzkreis der Kleinkinderschwimmen-Vorstellungsrunde)
…der Obermüller chlöpfelet…
(er tippt sich vermutlich genervt an die Stirn und rollt mit den Augen, ob der skurrilen Zusammenkunft in der Warm-Badi)
Es rägelet, es rägelet…
(wie gut, dass wir hier sowieso alle früher oder später nass werden)
…der Obermüller sägelet…
(OH! MEIN! GOTT! Jetzt dreht der irre Obermüller total durch, Massaker im
Baby-Bad???)
Es güüsst, es güüsst…
(Ihr habt es erfasst: Noch mehr Wasser!)
Der Obermüller nüsst: HATSCHI!
(Und alle hier anwesenden Windelträger/innen werden innerhalb der nächsten
2-3 Tagen ebenfalls erkältet sein. Hatschi!)

Dennoch: Wer etwas auf sich hält, der darf beim Babyschwimmen nicht fehlen. Die aquatische Frühförderung steht ebenso auf der obligatorischen Baby-Agenda, wie etwa auch die Musikzwergli, die Chrabbelgruppe (frühzeitige PR-Maßnahmen), das Baby-Yoga und der Besuch der bilinguale Kita. Ohne geht nicht.

Ich bitte Sie – DAS sollte Ihnen Ihr Kind doch allemal wert sein???!!! *empörtes Stirnrunzeln meinerseits* Manchmal jedoch frage ich mich im Stillen und insgeheim, wie WIR damals eigentlich jemals halbwegs gesund und normal gedeihen konnten, ohne je in den Genuss auch nur eines der aktuellen, vielfältigen Unterhaltungsangebote für die Zielgruppe „U3“ gekommen zu sein. Oder ist das gar der Grund, warum aus uns "nichts Ordentliches" geworden ist? Oder nur aus einzelnen Auserwählten unter uns.


Ja, auch wir haben drei komplette Staffeln (à 8-12 Folgen) Baby-Seepferdchen mitgedreht. Die Zwillings-Meerjungfrauen bekamen die Schiffstaufe mit ca. 5 Monaten und jetzt, wo die besten Mädchen der Welt schon bald 16 Monate zählen, haben wir uns dazu entschieden, dass wir „ja eigentlich auch einfach privat ab und zu in die Badi könnten“ statt uns für den vierten Kurs anzumelden und es mit viel Glück doch gerade mal wieder zu einem Drittel der Termine zu schaffen.

Denkste! Natürlich gehen wir nicht „privat einfach mal so“ mit den Kindern zum Schwimmen. Kein einziges Mal waren wir bisher. Es gibt hierfür vielfältige Gründe, allen voran: Die Mama zeigt sich nicht gerne im Badeanzug. Die einzigen, vor denen ihr das nicht peinlich ist, sind: Die besten Mädchen der Welt. Im heimischen Planschbecken (wir pflegen es hier und heutzutage „Pool“ zu nennen), versteckt hinter dichten Gartenhecken.

Offizielle Begründung: Es fehlt uns einfach die Zeit und Gelegenheit (ich meinte: die Gelassenheit), die Sache mit dem Bad zu viert in Angriff zu nehmen. Jeder muss sich dabei ja vollständig (s)einem Kind widmen. Vom Anlegen der Schwimmwindel (wie ich sie hasse) bis zum Überwasserhalten des zugeteilten Kinderköpfchens… Meine Lieblingsausrede: „Es wäre einfach nicht dasselbe – mir würden die schönen Liedchen und Versli viel zu sehr fehlen.“

Mit Fingerli, mit Fingerli mit flache, flache Händli.
Mit Füschtli, mit Füschtli, mit Elleboge, Platsch. Platsch. Platsch.
(Alle Mamis sehen spätestens am Ende dieses Sing-Spiels allesamt aus wie bei einem Jubiläums-Meeting für traurige Clowns. Sehr traurige Clowns… Dem Make-Up nach zu urteilen jedenfalls.)

Und erst die herrliche Wickel-Landschaft in der total verdampften Sammelumkleide! Ein Traum. Ich bin in einer meiner früheren Erzählungen bereits auf die gummierten 4 Quadratmeter eingegangen, wo im Laufe so eines Babybadetags bis zu fünfzig kleine Wasserratten ihre Pampers gegen die Badewindel tauschen und umgekehrt, ihr Znüni und Zvieri drauf einnehmen und wieder auskötzeln, die Mamis und Papis geschäftig etliche Male mit ihren Käsefüßen drüber wuseln etc. pp. Man darf einfach nicht genauer drüber nachdenken. Sonst wird es schnell drastisch psychosomatisch.

In der Dusche geht das feucht-fröhliche Vergnügen folgendermaßen weiter:
Räge-Rägetröpfli, äs rägnet uf mis Chöpfli
(die Hälfte der Babys fängt an, um ihr Leben zu schreien)
wänns rägnet, werdet d’Blüemli nass, und alli Steindli uf dä Gass
(und auch die frischen Klamotten von Mami und Papi, die bereitgelegten Badetücher, die Badetasche,
die neuen Pampers…)
wänns rägnet, werdet d’Blüemli nass, und ali Steindli uf dä Gass!
(und die Maxi Cosis, Tragetücher, Kindersitze, Nuschelis, Jacken, Mützen, Zwieback, Babykeks und Co)
Im ersten Baby-Schwümme, wo wir quasi noch als blutige Anfänger aufkreuzten, war allerdings alles noch viel spektakulärer. Da mussten wir uns zu zehnt auf zwei Massageliegen im Physiotherapie-Raum parat machen und danach alle mit EINER Dusche im Rollstuhlfahrer-WC duschen. DAS war erst ein Spaß, sage ich euch!

Das mit Abstand Coolste allerdings an diesem ersten Kurs war das Schwimmbecken an sich. Es war zwar winzig – man stieg sich als Eltern(-teile) gegenseitig schon des Öfteren unangenehm auf die Füße, aber mir – mit meinen gigantischen 1,62 m Körpergröße - ging dafür das Wasser bis knapp unter die Nasenspitze. Das wäre per se kein Problem gewesen, kann ich doch schwimmen.

(Ich hätte schwimmen können, wenn das Becken nicht so winzig, babybieselwarm und mit zehn Personen extrem überfüllt gewesen wäre). ABER: Es geht ja darum, mit dem Kind diverse Übungen – im Idealfall hauptsächlich ÜBER der Wasseroberfläche - auszuführen. Und das gestaltete sich anstrengend, schwierig bis unmöglich.


Einige Eltern scheuen sich tatsächlich nicht, zuzugeben, dass sie ihren Sprössling zum Babyschwimmen angemeldet haben, weil der kleine Schatz/die kleine Maus danach immer so „nudelfertig“ ist und erst mal 3-5h durchratzt. Hat auch was…

Ich persönlich finde aber, „die Ruhe nach dem Sturm“ (also dann ab dem Anschnallen und Richtung Heimat zuckeln im Auto) wiegt die große Aufregung direkt nach dem Bad, wo sich die Kids (in unserem Fall zwei) nicht entscheiden können, ob sie zu durstig zum Schlafen, zu müde zum Trinken, zu hungrig zum durstig sein, zu warm zum Anziehen oder zum Abbrausen zu nass sind – und im Übermaß dieser extremen Sinnesreize dann pauschal einfach mal am Brüllen sind, nicht auf.


Ich denke, ich schließe nun mit diesen, meinen Impressionen. Möchte euch ja nicht eure wunderbaren eigenen Erfahrungen vermiesen (rückblickend und mit Distanz neigt man sowieso dazu, alles zu romantisieren) oder gar die Vorfreude aufs erste/nächste Mal ruinieren.

Der Erlebniswert ist hoch. Der Fun-Faktor (bei den Großen) eher so mittel.
Bei den Kleinen? Müsst ihr ausprobieren! In diesem Sinne:
"Sprüzte, sprütze, sprütze isch so schön!" oder doch lieber:
"Chumm mir schwümme drvo!" ?






Montag, 1. Juni 2015

Ratgeber – gut, um sich schlecht zu fühlen


Ja, ich gebe es zu. Auch ich habe mehr oder weniger heimlich diesen „laufenden Meter“ Gebrauchsanweisungen fürs Kind im Giftschrank stehen. Man möchte ja nichts falsch machen. Und mitreden können. Und sich nachher nicht vorwerfen lassen, man hätte sich nicht informiert.

Über die Frage, ob dieses Sammelsurium an (pseudo-)pädagogischer Literatur nun hilfreich ist im Umgang mit dem Wertvollsten, was wir überhaupt kennen – unseren Kindern nämlich – lässt sich, wie über alles andere erfahrungsgemäß auch, vortrefflich streiten.

Meine persönliche Einschätzung (die ich während meines etwa 22-monatigen Studiums der in der oben genannten Lektüren gewinnen konnte) lautet eindeutig: JEIN!

Auf der einen Seite mag es für die besorgte Mutter, die mehr oder weniger neu im Business – im Mami-Business – ist, durchaus von Vorteil sein, wenn sie liest, dass jede ihrer Fragen (die sie sich vielleicht nie zu fragen traute) und zwar vom sehnlichen Babywunsch bis zur dringend nötigen Abnabelung vom 35-jährigen Mutter-Söhnchen, bereits schon so oder so ähnlich gestellt und behandelt wurde.

Auf der anderen Seite kommt man als geplagte und gestresste Mutter auch irgendwann an den Punkt, wo man zwar sein eigenes Bett vor lauter Bücherstapeln: „Wie sag ich´s meinem Kind?“ und „Was will mein Kind mir damit sagen?“ und „Die Ruhezeiten sind von 20.00 Uhr – bis 8.00 Uhr, liebes Baby!“ sowie „Tausendundein Rezept – nur für MEIN Kind ist nichts dabei“  nicht mehr findet, aber trotzdem einsehen muss, dass selbst der modernste und schlaueste Pädagoge vor genau dem eigenen, brandaktuellen Problem kapituliert.

Im ersten Fall hat der Konsum der Ratgeber eine Art Selbsthilfegruppen-Charakter, anonymer Natur (noch diskreter als die AA sogar), im zweiten Fall bewirkt er eine deprimierte und verzweifelte Resignation, ein Gefühl, dass einem dann wohl keiner mehr helfen kann, wenn hier nicht mal mehr die Super Nanny weiter weiß… Man fühlt sich alleingelassen. Und zwar total.

Was einen richtig wütend machen kann ist, dass die meisten Leitfäden zwar im Titel und auf dem Waschzettel (also der Rückseite vom Buch) mit konkreter Hilfe oder Abhilfe (je nachdem, worum es geht) locken und prahlen, dann aber auf den 576 Seiten dazwischen nur steht, wie es NICHT geht.
Was man auf KEINEN FALL tun sollte. Womit man sein Kind nahezu seelisch misshandelt. Was die schwerwiegenden psychischen Konsequenzen sind, mit denen man bei dieser und jener NICHT ANZUWENDENDEN Erziehungsmethode beim jungen Erwachsenen (der einst das zu erziehende Kind war) rechnen muss…

Diese Ratgeber pfeffert man dann reichlich verunsichert, um kein Stück weiser als zuvor, in die Ecke, schämt sich eine Runde für die Gedanken und Ideen, die einem zuvor spontan und intuitiv zur Sache gekommen wären – gut, dass man sie noch nicht am „lebenden Objekt“ ausprobiert hat, sondern zuvor die Professoren und Doktoren zu Rate gezogen hat!!! – und fühlt sich, als wären einem Hände und Füße gebunden und man zudem noch vom Leitfaden höchstpersönlich geknebelt worden, nur ja nichts Verkehrtes zu seinem Sprössling zu sagen.

Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist – ich wohne, seitdem ich Mutter bin bzw. seit einem Monat bevor die beiden besten Mädchen der Welt vor 15 Monaten das Licht derselben erblickten, in der wunderschönen Schweiz.  Von daher kann ich nur von „hier“ (und sowieso wie immer nur von MIR) berichten:

Der GOTT der Schweizer Pädagogen, Erzieher, Hebammen, Lehrer, Mütter-und Väterberaterinnen (gibt es so etwas in Deutschland überhaupt?), Kinderärzte und Co heißt: REMO H. LARGO. In keinem (keinem!) Haushalt darf sein Werk „Babyjahre“ fehlen. Unglaublicher Weise gehört dieses Nachschlagwerk sogar zum regulären "Migros"-Sortiment! Wie es um „Kinderjahre“, „Jugendjahre“ und die anderen Bände des gleichnamigen Autors bestellt ist, kann ich (noch) nicht beurteilen. Ja, naja – darf ich hier eigentlich Rezensionen abgeben, so in aller Öffentlichkeit? Ich tu´s einfach mal. Ich persönlich (!) meine: Kann man kaufen/lesen, muss man aber nicht.

Ich selbst LIEBE ja diese „Elternbriefe“ (Herausgeber: Pro Juventute), die in der Schweiz vielerorts als Geschenk von den Gemeinden oder anderen Institutionen abgegeben und im ersten Lebensjahr des Kindes monatlich, danach in etwas größeren Intervallen den glücklichen Eltern gratis zugeschickt werden. Sie sind kurz, knapp und knackig, nett illustriert, befassen sich jeweils mit genau dem Alter und den Entwicklungsschritten des eigenen Kindes und haben irgendwie einen ganz eigenen Charme. Ich weiß nicht, ob sie mein Leben (oder das meiner Kinder) nachhaltig verbessern, aber ich lese sie gerne! Und ich sortiere sie sogar sorgsam in den dafür vorgesehenen Sammelordner. (Gibt es Vergleichbares eigentlich in Deutschland???)

In meinen Regalen (und Stapeln vor dem Bett) haben sich natürlich noch haufenweise anderer Nachschlagwerke angesammelt. Vom Hebammen-Wissen über die Kugelzeit und die Brutpflege, über die Besonderheiten im Zusammenhang mit dem doppelten Glück (wie es uns ereilt hat), über die sogenannte „Erst-Ausstattung“ (wie zu jedem Stichwort hier, könnte ich SEITENWEISE über Sinn und Unsinn berichten), medizinischer Beistand zur Pannenhilfe, spezielle Pflegehinweise (nur Handwäsche!) und Fütterungsempfehlungen (völlig für die Katz´ - is(s)t ja sowieso jedes Kind anders!), Phasen und Sprünge (absolutes Reizthema!!!), das Trotzalter (*seuuuuuuufz*), populäre psychologische Bestseller (hier hab ich Jesper Juul zu meinem Liebling erkoren, auch wenn ich seine „Hilfestellungen“ nicht immer konkret genug finde) und, und, und, und, und…

In Manches habe ich nur mal kurz reingelesen, anderes aufmerksam durchgeblättert. Das eine Buch von der ersten bis zur letzten Seite verschlungen, das andere gleich nach den ersten fünf Sätzen wieder ad Acta gelegt. Den einen Ratgeber habe ich verinnerlicht, den anderen sofort der Altpapierverwertung zugeführt. Aus dem Einen zitiere ich, den anderen ziehe ich durch den Schmutz.
Ihr wisst, was ich meine….

Mein Fazit? Was soll ich sagen? Die Kinder halten sich sowieso nie daran, was in ihren Gebrauchsanleitungen steht! Und: Wir machen das schon alle halbwegs richtig so, zumindest hoffe ich das sehr!

 

Montag, 25. Mai 2015

Das tut weh!

Es geht heute um ein sensibles Thema, nahezu ein Tabu in unserer Gesellschaft.
Die Rede ist vom gerne totgeschwiegenen, mütterlichen Masochismus.
(Anti-Diskriminierungs-Autokorrektur: elterlicher Masochismus)
Noch nie davon gehört? Mag sein. Ich auch nicht. Aber es MUSS ihn geben. Der Beweise sind viele und andernfalls fällt mir absolut keine logische Erklärung dafür ein, warum die Menschheit noch nicht ausgestorben ist, sondern sich seit tausenden von Jahren – mehr oder weniger freiwillig (heutzutage mehr freiwillig) mit der Produktion und Aufzucht des Nachwuchses herumärgert. Herumschlägt. Beschäftigt. Vergnügt.


Die zartbesaiteten, empfindlicheren Gemüter und Seelen unter euch (es KANN sich also nicht um Mütter handeln) bitte ich explizit, an dieser Stelle jetzt und sofort das Lesen einzustellen. Am besten auch jene, die noch von der Familiengründung träumen. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Es wird sehr blutig werden!

Sprechen wir zum Beispiel von mir. Ich habe einen Prinzessin Lilli Fee-Ohrwurm, der mir fast den Verstand raubt und einen blauen Zeh, der mich noch vor vier Wochen kaum einen Schritt ohne schmerzverzerrte Gesichtszüge gehen ließ.

D
er nerv-tötende Ohrwurm kommt vom neuen Mittagsschlaf-Ritual der Mäusezähnchen, der Bluterguss (fällt der Zehennagel ab? Bleibt er dran? Es bleibt spannend…) kommt von einer Teeflasche, die mir vor einem knappen Monat Mäusezähnchen 2 aus Jux und Tollerei und beachtlicher Höhe auf den Fuß fallen hat lassen. Fallen hat lassen ist nicht korrekt. Ich neige dazu, die besten Mädchen der Welt in Schutz zu nehmen. Richtig ist: Geworfen hat. Voller Freude.
Unsere heimliche Neigung zeigt sich schon in den aller frühesten Anfängen unserer Mutterschaft. War der Zeugungsakt in wenigen Fällen eventuell noch schmerzfrei (siehe Blümchen-Sex), lassen die Beschwerden danach nicht allzu lange auf sich warten. In der Regel (Hahaha, was für eine grandiose Wortwahl in ausgerechnet diesem Zusammenhang! Dabei ist die Regel für die nächsten 9 – 20 Monate  garantiert das Einzige, was uns nicht mehr quält) beginnen die kleineren und größeren Wehwehchen doch schon nach wenigen Tagen, steigern sich von Schwangerschaftswoche zu Woche und finden ihren fulminanten Höhepunkt in der Geburt. (Das sind dann schon keine Wehwehchen mehr und die Art der Niederkunft – natürlich oder chirurgisch oder wie in meinem Fall: halb/halb – spielt eine eher untergeordnete Rolle auf der Schmerz-Skala.)

Nachdem ich darauf bereits in einem meiner vorherigen Beiträge detailliert eingegangen bin, werde ich dieses Thema nun großzügig überspringen, auch um keine alten Wunden aufzureißen. (Was bin ich heute wieder eloquent!). Wer mehr darüber erfahren möchte, darf sich jederzeit vertrauensvoll an mich wenden. (Hier ertönt nun aus dem OFF meine dreckige Mörder-Lache.)

Ja, es tut so gut, wenn der Schmerz nachlässt. Aber die Freude über die allmählich wieder verheilenden, unteren weiblichen Organe währt nur kurz. Bald schon ziehen andere Genüsse einher, steinharte, heiße Knubbel in den Brüsten, flammende, weil überbeanspruchte Brustwarzen, Penetration des Trommelfells durch 3-Monatskolliken (ist überholt diese Theorie – ich weiß; Die Reizüberflutung des Neugeborenen oder „Das fehlende vierte Trimester“ hört sich aber im Ausdruck durch kindliches Dauergebrüll auch nicht besser an), Folter durch permanenten Schlafentzug, das Ende der Sexualität im Besonderen (spätestens jetzt) und Paarbeziehung im Allgemeinen – man sieht nach und nach ein, dass die bisher sogenannten „Grundbedürfnisse“ weit überschätzt wurden.
Ich gehe davon aus, dass es sich bei Einlings-Müttern ähnlich verhält, entbehre allerdings jeglicher Erfahrung hierzu, da uns das Glück (die Schmerzen, die Anstrengung, die Angst, die (Über-) Beanspruchung und Co) gleich doppelt ereilte(n).
Man möchte meinen, nach den ersten durchgestandenen Monaten wäre man schmerztechnisch aus dem Gröbsten raus. Leider weit gefehlt, liebe Freunde. Nun beginnen sich unzählige Stunden maternaler, gekrümmter Haltung beim Säugen des Nachwuchses, sowie das endlose Herumtragen und Heben desselben langsam im Rücken bemerkbar zu machen. (Zwillinge? Kinder in nahem Altersabstand? Einfach die Stundenzahl mit dem Faktor 1,5 bzw. 2 multiplizieren.)
Und bisher - meine lieben Eltern, Noch-Nicht-Eltern und Niemals-Eltern-Werden-Wollende – bisher war das alles passiv von der Leibesfrucht, respektive vom Kind, verursachter Schmerz! Mehr oder weniger passiv. Das Kind hat zumindest (noch) nichts davon willentlich oder gar absichtlich hervorgerufen. Aber wartet nur! Das kommt früher noch als es euch lieb ist.
Spätestens im Laufe der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres werdet ihr um zahlreiche Haare ärmer, dafür aber Kratzer, Bisse und Erfahrungen reicher aus eurer Mutterschaft (Elternschaft) hervorgehen. Was uns nicht umbringt, macht uns stärker – so lautet die Devise! Und glaubt mir, die kleinen Engel finden zielsicher (und selbst schlafend) eure empfindlichsten Stellen – beliebte Angriffsziele sind Zahnfleisch, Zunge, Nasenschleimhaut und die Bindehaut des elterlichen Auges.
Die kleinen Folterknechte entwickeln ihre Methoden kontinuierlich und erschließen sich nach und nach auch die Welt der Werkzeuge. So werden zum Beispiel mütterlicher Ohrschmuck/Piercings schlichtweg im Handumdrehen und völlig narkosefrei entfernt, die Eltern mit ihrem eigenen Halsschmuck nahezu erwürgt, die Anwendung der Daumenschraube wird perfektioniert und aus Spaß oder Wut (die Emotionen liegen nie wieder so nah beieinander wie in diesem Alter) wird sich schon mal auf Hals/Gesicht der Mutter gesetzt und dieses dann (wenn sie nicht im Pampers-Mief erstickt ist) mit der flachen Hand/dem Schneebesen unsanft bearbeitet.
Als wenn all dies noch nicht genug wäre, produzieren die süßen Wonneproppen zudem die grausamsten Gerüche, die schrecklichsten Geräusche, veranstalten die brechreiz-erregendsten Experimente und haben bei alldem immer ein unfehlbares Gespür für den besten Moment.
Unsere Mäusezähnchen sind erst 15 Monate alt, aber ich hab mir sagen lassen, es würde ,mit der Zeit nicht besser werden. Im Gegenteil sogar. Die Schmerzen und Strapazen für die elterlichen Sinnesorgane verändern sich zwar kontinuierlich, von Phase zu Phase wird aber das Eine durch das Andere abgelöst und Zeit zum Aufatmen gibt es kaum.  Oft macht man drei Kreuze vor Dankbarkeit darüber, dass ein „Sprung“ (wie es im Fachjargon so treffend heißt) geschafft ist und weiß noch nicht, dass man soeben vom Regen in die Traufe gekommen ist.
Und wenn die körperlichen Schmerzen allmählich nachlassen und die Erinnerung daran nach und nach verblasst, dann liebe Freunde, DANN, dann denkt man entweder über ein weiteres niedliches Baby nach oder aber/und die elterlichen Schmerzen wandeln sich erneut und werden zunehmend seelischer Art. Schmerzen beim Blick aufs Konto, Abnabelungsschmerz, Trennungsschmerz, durchwachte Nächte, weil das Kind das erste Mal im Ferienlager oder im Ausgang ist, ständige Kopfschmerzen, weil das Kind „da jemanden kennengelernt hat“, und, und, und… Ich werde darüber berichten, sobald ich etwas mehr aus eigener Erfahrung dazu sagen kann.
Sind wir Mütter/Eltern nun wirklich Märtyrer oder gar Masochisten oder schlicht der rein biologischen Arterhaltung unterworfen? Warum tun wir uns das alles (und noch viel, viel mehr) sonst eigentlich an? Die Antwort ist so simpel, wie befriedigend:
Ganz einfach: Weil wir – trotz Allem – unsere Kinder – über Alles - lieben.