Samstag, 2. Januar 2016

Alles auf Anfang


Wie ich in letzter Zeit häufig und mit geringer Begeisterung feststellen muss, gibt es diverse Möglichkeiten, die Krawallkröten (formerly known as „Das doppelte Mäusezähnchen“) zu resetten.

Beispielsweise setzt ein auf den ersten Blick harmlos erscheinender Besuch von Oma und Opa (respektive BEI Oma und Opa) schon ab einer Dauer von wenigen Tagen Frontalkontakt, die Krawallkröten erziehungstechnisch wieder auf „Werkseinstellung“ zurück.

All das, was man sich aufs mühsamste und nicht selten herzschmerzhaft gemeinschaftlich an Regeln und Gewohnheiten erarbeitet hat um das Zusammenleben für alle Familienmitglieder einigermaßen erträglich bis halbwegs angenehm zu gestalten, liegt auf einmal völlig brach.

Alles, was man durch zehntausendfaches „Einbläuen“ (natürlich ausschließlich mit Engelszungen) erwirkt, an- oder abtrainiert hat, ist komplett vergessen. Gelöscht. Lost.

Das problematischste Symptom dieser verwandten-induzierten Regression ist allerdings die Tatsache, dass die Herrschaften, ihre Majestät Krawallkröte 1 und ihre Majestät Krawallkröte 2 (fortan der Einfachheit halber mit KK1 und KK2 bezeichnet) von diesem denkwürdigen Moment an der festen Überzeugung sind, der Nabel der Welt zu sein, die Sonne scheine nur mehr für sie  und die werte Elternschaft sei ausschließlich zu zur exklusiven und pausenlosen Bespaßung und Unterhaltung der Hoheiten berufen worden.

Habt ihr schon mal versucht, mit zwei 12kg-Fesseln an den Beinen den Haushalt zu schmeißen?

Oder unter vorwurfsvollem Dauergenöle der im Duett motzenden Klageweiber schnell telefonisch einen Arzttermin zu vereinbaren, auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen oder auch schlicht: NICHT den Verstand zu verlieren?

Wo sind die beiden besten Mädchen der Welt geblieben, die sich eineinhalb Stunden lang zufrieden und einträchtig miteinander beschäftigen konnten und Mama dadurch sowas wie einen Hauch einer Ahnung von einem bisschen „eigenem Leben“ ermöglicht haben?

Und WARUM um ALLES in der WELT können sie plötzlich nicht mehr laufen? Was ist passiert?

Wie kommen sie eigentlich auf den wahnwitzigen Gedanken, dass ihre Mutter (meine Wenigkeit, mit zwei schweren Einkaufstaschen behängt), sie plötzlich (und beide gleichzeitig!) die 100 Meter den Berg hinauf nach Hause tragen wird?

Ich habe die KK NIE getragen, das stand nicht mal zur Debatte! Seit sie laufen KONNTEN, WOLLTEN sie laufen. Meistens noch viel mehr als ich! Die vierfach mutterwärts auffordernd nach oben gestreckten Ärmchen sind mir gänzlich neu, ebenso wie die Sitzblockade neben dem Hundehaufen…

Die ganze Misere  erinnert mich spontan vage irgendwie an meine eigene Jugend. Tamagotchi. Furby. Wiesienichtallehießen...
All die intelligenten, niedlichen, elektronischen Spielzeuge, die dazugelernt haben und denen man mit gezieltem Popeln mit der Kugelschreiberspitze mental den Garaus machen konnte.
Festplatte platt. Reset. Alles auf Anfang.

„Geblitzdingst“ sozusagen. (Um ein bis zwei Jahrzehnte aktueller zu werden, Men In Black). Totale Amnesie. Ihr versteht was ich meine.

Ein ebenso faszinierendes Phänomen ereignet sich regelmäßig an unseren beiden wöchentlichen Krippennachmittagen.

Es handelt sich um ein Phänomen à la „Liebling - ich habe die Kinder geschrumpft!“ (um noch etwas bei den leicht angestaubten Klassikern der Filmgeschichte zu verweilen).

Ich bringe die KK (aka MZ) also gegen 14.00 Uhr als beinahe zweijährige, aufgestellte (wie man in der Schweiz zu sagen pflegt), für ihr Alter recht selbständige und knapp 90 cm große Kleinkinder in die Krippe. Zurück bekomme ich – gegen 18.00 Uhr: Surprise, Surprise! BABYS. BABYS!

Nach maximal vier Stunden professioneller pädagogischer Betreuung (im Kreise einiger Spielgefährten im Alter zwischen 3 Monaten und gut 4 Jahren) kriechen mir also zwei Babys entgegen. Ich meine, man KÖNNTE sich ja auch an den „Großen“ orientieren und von ihnen lernen, hab ich zumindest früher mal gedacht… Mama dachte, Gott lachte.

Diese preiswerte und doppelte Verjüngungskur hält dann jeweils (zum Glück nur noch) bis zum Schlafengehen an. Wirkt also nicht so langfristig wie im erst beschriebenen Fall. 
Jedoch: Noch beim Abendessen am Krippentag müssen wir unsere Krabbelkinder jedes Mal wieder FÜTTERN. Löffelchenweise. Wie echte Babys.

KK1 und KK2 bestehen dann nämlich darauf, plötzlich nicht mehr in der Lage zu sein, Löffel und Gabel selbst halten, geschweige denn zum Mund führen zu können. Welcher Spaß. Endlich wieder ein Spiel für die ganze Familie. Papa und Mama können ja schauen, wann sie dann zum Essen kommen.
Ich dachte, diese Zeiten hätten wir lääääääängst hinter uns gelassen.

In solchen Momenten erscheint es mir fast wie Hohn, dass die Großeltern der KK (um genau zu sein, die Großmütter der beiden) in regelmäßigen Abständen wehmütig und mit feuchten Augen feststellen, wie schnell die Kleinen doch groß werden.

Ich denke dazu nur zwei Dinge:
1. Auch nur TENDENZIELL
2. GOTT! SEI! DANK!